Wenn die Welt laut wird und ich mich als Künstlerin für Sanftmut entscheide
- Froso Eracleous
- 13. Feb.
- 4 Min. Lesezeit

Es gibt Tage, an denen die Welt schwerer zu atmen scheint. Als läge etwas Dunkles in der Luft, unsichtbar, aber spürbar. Nachrichten voller Krieg, Konflikte und Aggression. Menschen wenden sich gegeneinander, statt einander zuzuwenden. Worte werden schärfer. Gesichter wirken müde.
Und manchmal frage ich mich: Wie können wir in Zeiten wie diesen noch Licht schaffen? Wie können wir malen, schreiben und träumen, wenn die Außenwelt so laut ist?
Ich bin Künstlerin und habe bemerkt, dass diese Energie nicht einfach an mir vorbeizieht. Sie dringt durch kleinste Ritzen in mein System ein. Ich spüre sie in meinem Körper wie eine Unruhe. In meinem Kopf wie sich endlose Sorgenkreise. In meinem Herzen wie eine stille Angst, dass alles immer schwerer wird.
Aber ich habe etwas Wichtiges gelernt.
Ich muss diese Energie nicht in mir wohnen lassen. Ich darf selbst entscheiden, wie viel Raum ich ihr gebe.
Und genau darum geht es hier.
Die Welt mag dunkel sein, aber ich darf meine Farben wählen.
Heute Morgen sitze ich im Auto, bevor ich zur Arbeit fahre. Es ist still. Nur dieses frühe, ehrliche Stillsein, das der Morgen manchmal mitbringt.
Ich schaue zum Himmel hinauf.

Die Wolken leuchten in Orange und Rosa, als hätte jemand warme Farben darüber gemalt. Dahinter erstreckt sich ein hellblauer, ruhiger Himmel. Die Sonne drückt ihre Strahlen durch die Wolken wie Licht durch Vorhänge.
Und ich denke: So sieht Hoffnung aus. Nicht laut. Nicht dramatisch. Einfach sanft, wie ein Versprechen.
Vielleicht regnet es später, und das wäre auch schön. Die Erde braucht Regen. Leben braucht Wasser. Selbst Grau hat seinen Sinn. Es nährt. Es reinigt. Es führt uns zurück zur Realität.
Und genau da beginnt mein künstlerischer Weg durch schwierige Zeiten.
Ich schaue absichtlich hin.
Nicht nur auf die Dunkelheit. Nicht nur auf das Chaos. Sondern auch auf das, was noch existiert. Licht, Farbe, Schönheit, Wärme.
Negative Energie ist wie Rauch, und ich muss nicht darin stehen.
Manchmal fühlt sich diese kollektive Schwere an wie Rauch in einem Raum. Man kann sie nicht greifen, aber sie legt sich auf die Haut.
Mir ist klar geworden, dass ich, wenn ich jeden Tag alles auf mich wirken lasse, jede Schlagzeile, jede Angst, jeden Ärger, irgendwann aufhöre, aus meiner eigenen Seele zu schöpfen. Ich schöpfe dann nur noch aus Erschöpfung.
Und genau in diesem Moment beginne ich, Grenzen zu setzen.
Nicht, weil ich die Welt ignorieren will, sondern weil ich mich selbst schützen muss, um gütig zu bleiben. Denn Kunst braucht ein offenes Herz. Und ein offenes Herz braucht manchmal einen sicheren Ort.
Was mir hilft: Natur, kleine Rituale und Farben, die Wärme vermitteln.
Wenn ich merke, wie die Dunkelheit zu tief in mich hineindrückt, tue ich etwas ganz Einfaches.
Ich suche nach Schönheit.

Nicht als Fluchtmöglichkeit, sondern als Medizin.
Ich gehe spazieren und achte nicht nur auf die Straße. Ich betrachte die Details. Das Moos an den Bäumen, das wie ein weicher grüner Teppich aussieht. Das Sonnenlicht, das wie goldene Fäden durch die Zweige fällt. Die Pfützen, die den Himmel wie kleine Spiegel reflektieren.
Und manchmal genügt schon eine kleine Blume am Straßenrand, um mich an etwas Wichtiges zu erinnern.
Das Leben gibt nicht auf.
Diese Eindrücke lasse ich dann in meine Kunst einfließen.
Ich wähle Farben, die mein Herz erwärmen. Terrakotta, Goldgelb, zartes Rosa, sanfte Erdtöne. Farben, die nicht aufdringlich sind, sondern einen wie eine stille Umarmung umschließen.
Manchmal vermeide ich bewusst dunkle Gemälde. Nicht, weil Dunkelheit keinen Platz hätte, sondern weil ich spüre, dass ich im Moment mehr Licht brauche.
Und manchmal male ich auch Schatten, aber ich achte immer auf ein ausgewogenes Verhältnis. Einen hellen Fleck, einen warmen Rand, einen kleinen Ausweg.
Denn so fühlt sich das Leben heutzutage an.
Für dich: Sieben einfache Wege, diese Energie nicht in dir zu unterdrücken
Vielleicht bist du kein Künstler oder Künstlerin. Oder vielleicht bist du es doch, auf deine Weise. Denn Kreativität ist mehr als nur Malen. Kreativität ist eine Art, die Welt zu berühren.
Hier sind ein paar Dinge, die dir vielleicht auch helfen können.
1. Wähle deine Farben für jeden Tag
Trage etwas, in dem du dich wohlfühlst. Zünde eine Kerze an. Benutze eine Tasse, die dich zum Lächeln bringt. Kleine Farbtupfer im Alltag sind wie kleine Fenster, die Licht hereinlassen.
2. Suche jeden Tag nach etwas Schönem
Nimm dir jeden Tag drei schöne Dinge vor. Ein Geräusch. Ein Duft. Ein Blick in den Himmel. Es wirkt sich stärker auf dein Nervensystem aus, als du denkst.
3. Schreibe deine Gedanken auf
Nicht perfekt. Nicht poetisch. Lass es einfach raus, wie Wasser, das fließen muss.
4. Kreativ sein ohne Ziel
Male fünf Minuten lang, ohne dass es perfekt sein muss. Zeichne Linien. Mische Farben. Klebe Bilder in ein Notizbuch. Es geht nicht um Meisterwerke. Es geht ums Loslassen.
5. Weniger Nachrichten, mehr Präsenz
Es ist wichtig, informiert zu bleiben, aber ständige Reizüberflutung kann uns krank machen. Du hast das Recht zu entscheiden, wann du dich mit der Welt auseinandersetzen und wann du zu dir selbst zurückkehrst.
6. Bewege deinen Körper, um deine Energie zu klären.
Gehen. Tanzen. Dehnen. Atmen. Negative Energie setzt sich im Körper fest, und Bewegung hilft, sie zu lösen.
7. Frage dich selbst: Was kann ich heute kontrollieren?
Nicht die ganze Welt. Aber dein Blick. Deine Stimme. Dein Tonfall. Deine Entscheidung, sanft zu bleiben. Und das ist nicht unbedeutend. Das ist kraftvoll.

Schönheit ist nicht Naivität, sie ist Widerstand.
Manchmal wird Schönheit unterschätzt, als wäre sie Luxus.
Ich glaube aber, dass Schönheit eine Form von Mut ist.
Wenn wir uns in schwierigen Zeiten bewusst dafür entscheiden, nach Licht zu suchen, ist das keine Ignoranz. Es ist ein stilles Nein zur Dunkelheit.
Nein zur Gefühllosigkeit. Nein zur Kälte.
Und zu etwas anderem ein Ja.
Der Menschlichkeit. Der Wärme. Der Verbundenheit.
Und vielleicht ist das jetzt unsere Aufgabe.
Vielleicht besteht unsere Aufgabe im Moment nicht darin, mit der Dunkelheit in Resonanz zu treten.
Nicht alles an uns heranzulassen. Nicht jedes Drama weiterzutragen. Nicht jede Angst zu unserem Zuhause zu machen.
Vielleicht besteht unsere Aufgabe darin, etwas Sanftes zu bewahren, selbst wenn sich die Welt rau anfühlt.
Wie dieser Morgenhimmel.
Orange und Rosa, als ob es sagen wollte: Ich bin immer noch da.
Und vielleicht dürfen wir das auch sagen. Durch unsere Kunst. Durch unsere Lebensweise. Durch unsere kleinen, alltäglichen Entscheidungen.
Ich bin immer noch hier.
Und ich wähle das Licht.
































