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Zwischen Schubladen und buntem Weltraum

  • Autorenbild: Froso Eracleous
    Froso Eracleous
  • 21. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Eine Reflexion über Kunst ohne Etiketten


Die erste Frage, die ich fast immer höre, sobald ich mich als freischaffende Künstlerin vorstelle, ist: „Und, was malen Sie so?“


Eine einfache Frage, die für mich jedes Mal einen kurzen Moment des Innehaltens mit sich bringt. Nicht aus Unsicherheit, sondern weil ich merke, wie vielschichtig diese Antwort eigentlich ist. Wie beschreibt man etwas, das weniger aus Worten als aus Gefühl besteht?


Meist antworte ich: Ich male auf Pappe, weil ich die Lebendigkeit der Struktur liebe, und arbeite sehr gern mit kräftigen Farben. Was genau entsteht, entwickelt sich jedes Mal neu, inspiriert von meinem Leben und meiner Umgebung.



Danach frage ich mich manchmal, ob Kunst überhaupt erklärbar sein muss. Ob sie ein Etikett braucht, um wertvoll zu sein.


Ich habe nie eine Kunstschule besucht und keine klassische Ausbildung in diesem Bereich absolviert. Mein beruflicher Weg verlief anders, nicht geradlinig, aber lebendig. Und genau darin liegt für mich heute eine Stärke. Kreativität folgt selten festen Plänen. Sie wächst dort, wo Neugier Raum bekommt.


Unsere Gesellschaft liebt klare Kategorien, Abschlüsse und Titel. Sie geben Orientierung, und das ist auch gut so. Gleichzeitig gibt es Menschen, die zwischen diesen Schubladen leben, die ausprobieren, verbinden, loslassen und neu beginnen. Ich gehöre dazu.


Manchmal fühle ich mich wie der Mond-Mann, mit beiden Füßen im Alltag und dem Kopf im bunten Weltraum. Nicht verloren, sondern unterwegs. Und ich habe gelernt, diesen Ort nicht als Mangel zu sehen, sondern als Quelle.


Wenn ich ehrlich antworte, dann so:


Ich weiß nicht immer im Voraus, was entsteht. Jedes Werk beginnt mit Neugier und dem Wunsch, etwas Inneres sichtbar zu machen. Dahinter steht fast immer eine Geschichte, oft eine ganz reale Situation, ein Moment aus dem Leben, eine Begegnung oder ein Gefühl, das mich nicht loslässt. Diese Geschichten erzähle ich gern immer wieder, weil sie der Ursprung meiner Arbeiten sind.


Das, was daraus entsteht, kann viele Formen annehmen. Bilder, Worte, Schmuck, DIYs, Porträts, realistische oder abstrakte Arbeiten. Meine Kunst speist sich aus Natur, Erinnerungen, Gefühlen und Augenblicken. Sie folgt keinem festen Konzept, sondern einem inneren Rhythmus. Die Herausforderung liegt für mich weniger im Erzählen selbst, sondern darin, diese Geschichten in eine kunsttheoretische Sprache zu übersetzen. Deshalb muss meine Kunst nicht erklärt werden, um ernst gemeint zu sein. Sie darf offen bleiben. Sie darf wachsen. Sie ist eine Einladung, hinzusehen, zu spüren und sich selbst darin wiederzufinden.



Diese Haltung begleitet mich auch in der Frage nach Sichtbarkeit. Als jemand, der bewusst auf social media verzichtet, stelle ich mir oft die Frage, wo meine Kunst ihren Platz finden darf.


Ich suche keine größtmögliche Reichweite. Ich wünsche mir Begegnung und Resonanz. Menschen, die sich angesprochen fühlen und sich Zeit nehmen. Und ja, es ist mir wichtig, dass meine Arbeit auch finanziell wertgeschätzt wird. Nicht als Gegensatz zur Leidenschaft, sondern als Anerkennung für Zeit, Hingabe und Energie, die in jedes Werk fließen.


Sichtbarkeit bedeutet für mich nicht Lautstärke. Verbindung entsteht nicht durch Schnelligkeit, sondern durch Echtheit. Vielleicht braucht meine Kunst keinen festen Rahmen, keine Plattform und keinen Algorithmus. Vielleicht braucht sie Raum, Vertrauen und Offenheit.


Vielleicht zeigt sie sich in Gesprächen, in stillen Momenten, in Räumen, die nicht perfekt, aber ehrlich sind. Vielleicht ist sie nicht dafür da, konsumiert zu werden, sondern erlebt. Und vielleicht liegt genau darin ihre Kraft.


Ich lerne, meinem eigenen Tempo zu vertrauen. Nicht alles einordnen zu müssen. Nicht jede Abweichung zu erklären. Meine Kunst entsteht nicht, um Erwartungen zu erfüllen. Sie entsteht, weil ich den Mut habe, mir selbst treu zu bleiben.


Und das fühlt sich richtig an.


Wenn du dir deinen eigenen Eindruck davon machen möchtest, was ich male und erschaffe, lade ich dich herzlich ein, durch mein Portfolio und meinen Shop zu schauen. Ohne Druck und ohne Erwartungen. Nimm dir Zeit und folge deiner Neugier. Schau, was dich anspricht, was hängen bleibt oder ein Gefühl in dir auslöst. Meine Arbeiten müssen nicht verstanden werden. Sie dürfen einfach wirken. Vielleicht begleitet dich ein Werk nach Hause, vielleicht nur ein Gedanke. Beides hat seinen Wert.



Bleib offen und neugierig. Und hab den Mut, deinen eigenen bunten Weltraum ernst zu nehmen.

 
 
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